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Viele Wände in Berliner Altbauten tragen Kalk- oder Kalkzementputz. Über die Jahrzehnte kamen Tapeten, Leimfarben und moderne Anstriche hinzu. Wer heute streicht, sollte deshalb nicht nur den Farbton auswählen, sondern auch wissen, worauf die Farbe kommt.
Drei Farbarten im Vergleich
Dispersionsfarbe
Kunststoffgebunden, einfach zu verarbeiten und in vielen Qualitäten und Glanzgraden erhältlich. Sie bildet einen Film auf dem Untergrund. Gute Produkte sind wasserdampfdurchlässig, dichten die Wand aber stärker ab als mineralische Farben.
Silikatfarbe
Verbindet sich chemisch mit mineralischen Untergründen wie Kalk- oder Kalkzementputz, ist sehr diffusionsoffen und durch ihre Alkalität wenig anfällig für Schimmel. Auf alten Dispersionsanstrichen hält reine Silikatfarbe nicht; Dispersionssilikatfarben sind dort teils ein Kompromiss.
Kalkfarbe
Traditionelle Farbe aus gelöschtem Kalk, ebenfalls diffusionsoffen und alkalisch. Sie deckt schwächer und braucht meist mehrere Anstriche. Sie passt vor allem auf Kalkputz und in Räume, in denen die Wand Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben soll.
Erst den Untergrund prüfen
Bevor eine Farbe ausgewählt wird, lohnt ein Blick auf den vorhandenen Anstrich. Einige einfache Proben geben erste Hinweise:
- Wischprobe: Färbt die Wand beim Darüberstreichen mit der Hand ab, liegt oft eine alte Leim- oder Kreidefarbe vor. Sie muss in der Regel abgewaschen werden, weil neue Farbe darauf nicht hält.
- Kratzprobe: Lässt sich ein zusammenhängender Film abziehen, handelt es sich meist um einen Dispersionsanstrich.
- Wasserprobe: Perlt Wasser ab, ist die Oberfläche dicht beschichtet; zieht es sofort ein, ist der Untergrund stark saugend und braucht womöglich eine Grundierung.
- Klebebandprobe: Bleiben nach dem Abziehen eines kräftigen Klebebands Farbschichten daran hängen, ist der Altanstrich nicht tragfähig.
Diese Proben ersetzen keine fachliche Beurteilung, zeigen aber schnell, ob größere Vorarbeiten nötig sind. Lose oder hohl klingende Putzstellen müssen vor dem Streichen ohnehin ausgebessert werden, wie auf der Seite Putzarbeiten beschrieben.
Küche, Bad und Außenwände
In Räumen mit zeitweise hoher Luftfeuchtigkeit kommt es darauf an, dass die Wand Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann oder dass die Farbe ausdrücklich für Feuchträume geeignet ist. Mineralische Farben können hier helfen, ersetzen aber keine ausreichende Lüftung. Zeigt sich an kalten Außenwänden Schimmel, ist die Farbe nicht die Lösung – dann muss die Ursache geklärt werden.
Glanzgrad und Untergrund
Je glänzender eine Farbe, desto deutlicher zeigt sie Unebenheiten, besonders im Streiflicht. Auf welligen Altbauwänden wirken matte Farben meist ruhiger. Wer glatte, seidenglänzende Wände wünscht, braucht einen entsprechend vorbereiteten Untergrund; welche Qualitätsstufe dafür nötig ist, erklärt der Leitfaden Qualitätsstufen Q1 bis Q4.
Worauf beim Kauf zu achten ist
Angaben auf dem Gebinde lesen
- Eignung für den vorhandenen Untergrund und für Innenräume
- Nassabriebklasse und Deckvermögen als Hinweise auf Strapazierfähigkeit und Deckkraft
- Glanzgrad von matt bis glänzend
- Angaben zu Emissionen und Konservierungsmitteln, besonders für Schlaf- und Kinderzimmer
Häufige Fragen zu Wandfarben im Altbau
Reine Kalk- und Silikatfarben brauchen einen mineralischen Untergrund und haften auf Dispersionsanstrichen in der Regel nicht dauerhaft. Entweder wird der alte Anstrich entfernt, oder man wählt eine Farbe, die für diesen Untergrund freigegeben ist.