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Gebäude bewegen sich. Baustoffe dehnen sich bei Wärme aus, trocknen nach, setzen sich oder reagieren auf Lasten. Wo verschiedene Materialien aneinandergrenzen oder Spannungen entstehen, zeigen sich Risse. In Altbauten mit Holzbalkendecken, Anbauten und mehreren Umbauten sind sie besonders häufig.
Keine Ferndiagnose
Dieser Leitfaden hilft beim Einordnen, ersetzt aber keine Begutachtung. Deuten Risse auf Bewegungen im Tragwerk hin, sollten Fachleute für Tragwerksplanung oder Sachverständige die Ursache prüfen, bevor saniert wird.
Typische Rissbilder
| Rissbild | Mögliche Ursache | Einschätzung |
|---|---|---|
| feine Netzrisse in der Putzoberfläche | Schwinden des Putzes beim Trocknen, zu schnelle Trocknung | meist oberflächlich; beim Überarbeiten ausgleichbar |
| gerade Risse entlang von Plattenfugen an Decke oder Trockenbauwand | Bewegung zwischen den Platten, ungeeignete Fugenausbildung | meist ungefährlich, kehren aber wieder, wenn die Fuge nicht fachgerecht hergestellt wird |
| Risse an Anschlüssen zwischen Wand und Decke oder zwischen verschiedenen Baustoffen | unterschiedliche Bewegung der Bauteile | oft unkritisch; eine elastische Anschlussfuge kann sinnvoll sein |
| diagonale Risse von Tür- oder Fensterecken aus | Spannungen an Öffnungen, Setzungen | beobachten; bei Zunahme fachlich prüfen lassen |
| breite, versetzte oder durchgehende Risse, treppenförmige Risse im Mauerwerk | Setzungen, Überlastung, Schäden an Tragwerk oder Gründung | fachlich prüfen lassen |
Risse beobachten
Ob ein Riss zur Ruhe gekommen ist oder sich weiter öffnet, zeigt sich erst über die Zeit. Dafür genügen einfache Mittel: den Riss mit Datum fotografieren, die Enden mit einem Bleistiftstrich markieren und die Breite mit einer Rissbreitenschablone festhalten. Fachleute setzen außerdem Gipsmarken oder Rissmonitore, an denen sich Bewegungen ablesen lassen.
Warnzeichen, die eine Prüfung nahelegen
- Der Riss wird innerhalb weniger Wochen länger oder breiter.
- Die Rissränder sind gegeneinander versetzt.
- Türen oder Fenster klemmen plötzlich.
- Der Riss geht durch die ganze Wand und ist auf beiden Seiten sichtbar.
- Decken hängen sichtbar durch oder schwingen deutlich.
- Neben dem Riss zeigen sich Feuchtigkeit oder Ausblühungen.
Besonderheiten im Altbau
In Gründerzeithäusern treffen Mauerwerk, Holzbalkendecken und später eingezogene Wände aufeinander. Holz arbeitet mit der Luftfeuchtigkeit, Balken können sich über Jahrzehnte verformen, und nachträgliche Durchbrüche verändern, wie Lasten abgetragen werden. Risse an Deckenrändern oder in leichten Trennwänden sind deshalb häufig. Nach Umbauten, bei denen Wände entfernt oder Öffnungen geschaffen wurden, verdienen neue Risse besondere Aufmerksamkeit.
Wie Risse überarbeitet werden
Ist die Ursache geklärt und der Riss ruhig, richtet sich die Überarbeitung nach Rissart und Oberfläche. Feine Putzrisse lassen sich oft mit einer Spachtelung und einem geeigneten Anstrich überbrücken. Breitere Risse werden aufgeweitet, gefüllt und mit einem eingebetteten Armierungsgewebe überspachtelt, das Spannungen verteilt. In Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 sollten Putz und alte Spachtelmassen vor dem Aufweiten oder Schleifen auf Asbest untersucht werden. Wo sich Bauteile dauerhaft gegeneinander bewegen, ist eine bewusst gesetzte elastische Fuge oft die haltbarere Lösung als ein starrer Verschluss.
Nur zu überstreichen, reicht selten: Der Riss zeichnet sich nach kurzer Zeit wieder ab. Welche Vorarbeiten vor einem neuen Anstrich nötig sind, zeigen die Seiten Putzarbeiten und Spachtelarbeiten.
Häufige Fragen zu Rissen
Eine feste Grenze gibt es nicht. Neben der Breite zählen Verlauf, Versatz, Veränderung über die Zeit und das betroffene Bauteil. Ein breiter Riss in einer leichten Trennwand kann harmloser sein als ein schmaler, wachsender Riss in einer tragenden Wand.