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Bei Fliesen haben sich die üblichen Formate in den letzten Jahren stark verändert. Wo früher kleine Fliesen mit vielen Fugen lagen, sind heute oft große Platten zu sehen. Die Wahl des Formats ist deshalb keine reine Stilfrage: Sie beeinflusst, wie aufwendig der Untergrund vorbereitet werden muss und wie die Fläche später im Streiflicht wirkt.
Ebenheit: kleine Abweichungen, große Wirkung
Eine kleine Fliese gleicht leichte Wellen im Untergrund aus, weil sie der Fläche folgt. Eine große, starre Platte kann das nicht. Liegt sie auf einer Unebenheit, entstehen Hohlstellen darunter oder Höhenversätze an den Kanten, die man sieht und barfuß spürt. Vor großen Formaten wird der Untergrund deshalb häufig gespachtelt oder ausgeglichen. Welche Abweichungen auf einer Messstrecke zulässig sind, legt DIN 18202 mit Ebenheitstoleranzen fest; für große Platten wird meist eine höhere Genauigkeit vereinbart, als die normalen Werte verlangen.
Wände sind oft nicht gerade
Gerade im Altbau weichen Wände und Böden oft merklich vom Lot und von der Waage ab. Was bei Tapete oder Farbe kaum auffällt, wird bei großformatigen Fliesen zum Thema. Vor der Auswahl lohnt es sich, die Flächen mit einer langen Richtlatte prüfen zu lassen.
Wie große Formate verlegt werden
- Kombiniertes Verfahren
- Kleber wird auf den Untergrund und zusätzlich auf die Rückseite der Fliese aufgetragen. So entsteht eine möglichst hohlraumfreie Verbindung, die bei großen Formaten und in Nassbereichen wichtig ist.
- Nivelliersysteme
- Laschen mit Keilen oder Kappen halten benachbarte Fliesen während des Aushärtens auf gleicher Höhe und verringern Kantenversätze.
- Transport und Handhabung
- Große Platten sind schwer und bruchempfindlich. Für Transport und Verlegung braucht es oft zwei Personen und Saughalter; auch Treppenhaus und Aufzug spielen eine Rolle.
Fugenbild und Versatz
Rechteckige Fliesen werden gern im Halbverband verlegt, also jede Reihe um die halbe Länge versetzt. Bei langen Formaten führt das leicht zu sichtbaren Höhenunterschieden an den Kanten, weil Fliesen herstellungsbedingt minimal gewölbt sein können. Häufig wird deshalb ein kleinerer Versatz empfohlen, etwa ein Drittel der Länge. Die Angaben des Herstellers geben dazu Hinweise.
Auch die Fugenbreite lässt sich nicht beliebig verkleinern: Fliesen haben Maßtoleranzen, die durch die Fuge ausgeglichen werden, und beheizte Böden brauchen Raum für Bewegung. Rand- und Bewegungsfugen aus dem Estrich werden im Belag übernommen.
Große Fliesen im Bad
Im Bad treffen große Formate auf besondere Bedingungen. Auf dem Boden einer bodengleichen Dusche braucht das Wasser ein Gefälle; bei einem Punktablauf müssen große Fliesen dafür in Felder geschnitten werden, eine Duschrinne mit einseitigem Gefälle ist hier oft einfacher. An der Wand müssen Rohrdurchführungen und Nischen genau zur Fliesenaufteilung passen. Unter den Fliesen gilt, was der Leitfaden Abdichtung im Bad beschreibt.
Welches Format passt?
Großformat
Ruhige Flächen, wenige Fugen, leicht zu reinigen. Sinnvoll auf ebenen Untergründen, in größeren Räumen und wenn die nötige Vorbereitung eingeplant ist.
Mittlere und kleine Formate
Folgen Gefälle und leichten Unebenheiten besser, sind leichter zu handhaben und bieten in Duschen durch ihre Fugen zusätzlichen Halt.
Welche Fliese letztlich passt, entscheidet sich am Raum. Den Überblick über die Arbeiten von der Vorbereitung bis zu den Anschlüssen gibt die Seite Fliesenarbeiten.
Häufige Fragen zu Fliesenformaten
Eine einheitliche Grenze gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch nicht. Häufig werden Fliesen mit einer Kantenlänge von mehr als etwa 60 Zentimetern als großformatig bezeichnet.